Die seelische Not in Herne bleibt hoch. Bei der jüngsten Sitzung des Beirats legte Leiterin Sabine Karkuth-Dohmeier die Zahlen der Evangelischen Beratungsstelle für Paar- und Lebensberatung und Schwangerschafts(konflikt)beratung für 2025 vor. Mit 1840 Beratungen zählte die Einrichtung so viele Beratungen wie in keinem Jahr seit 2019. Schon 2023 und 2024 lag der Wert über 1700. Der Andrang aus dem Krisenjahr 2023 lässt also nicht nach, er verfestigt sich.
Besonders gefragt war die Schwangerenberatung mit 1061 Beratungen. In der Ehe- und Lebensberatung zählte das Team 779 Beratungen, nach 353 im Jahr 2022. 316 Familien stellten einen Antrag bei der Bundesstiftung Mutter und Kind. Die Herner Zahlen decken sich mit der Lage im ganzen Land. Rund 27,8 Prozent der Erwachsenen in Deutschland erkranken jedes Jahr psychisch, das sind etwa 17,8 Millionen Menschen. Nur ein kleiner Teil sucht Hilfe.
Auch am Arbeitsplatz wächst der Druck. Laut DAK-Psychreport 2025 verursachten psychische Erkrankungen 2024 rund 342 Fehltage je 100 Beschäftigte, so viele wie nie. In sozialen Berufen wie Kita und Pflege liegen die Werte bis zu 71 Prozent über dem Durchschnitt. „Die seelische Not im Land ist größer geworden und sie bleibt es“, sagt Karkuth-Dohmeier. „Die Ursachen reichen von Kriegen und Krisen in den Nachrichten bis zu wachsendem Druck in Beruf und Familie.“
Hilfe, bevor aus Stress eine Krankheit wird
Einen Schwerpunkt legt die Beratungsstelle auf Vorbeugung psychischer Krisen am Arbeitsplatz. Beim Counseling begleiten erfahrene Fachkräfte Beschäftigte in belastenden Lagen, bevor eine Erkrankung entsteht. Unternehmen vereinbaren dafür ein Zeitkontingent, das ihre Mitarbeitenden bei Bedarf anonym und freiwillig nutzen. Themen sind Überlastung, Konflikte im Team oder private Sorgen, die in den Arbeitsalltag reichen.
Für dieses Angebot gewann die Beratungsstelle einen neuen Schirmherrn. Der Beirat der Beratungsstelle unter Leitung von Pfarrer Walter Tschirch begrüßte den neuen Schirmherrn der Einrichtung Christian Stiebling, Seniorchef des Familienunternehmens Reifen Stiebling, offiziell im Amt. Sein Unternehmen war das erste in Herne, das sich für Counseling entschied. „Wenn wir Belastungen früh auffangen, verhindern wir Ausfälle und langfristige Probleme. Counseling kann dabei eine wichtige Hilfe sein. Dieses Angebot ist für alle Seiten ein Gewinn“, sagte Stiebling. Als Schirmherr wirbt er dafür, dass weitere Betriebe in der Region das Angebot kennenlernen.
Foto:
In seinem neuen Amt als Schirmherr der evangelischen Beratungsstelle wurde der Herner Familienunternehmer Christian Stiebling (2.v.l.) vom Beirat der Einrichtung herzlich begrüßt: (von links) Sabine Hahn, Pfarrer a.D. Walter Tschirch, Sabine Karkuth-Dohmeier und Sven Teschner.
Foto: Diakonisches Werk Herne